Sonntag, 8. Oktober 2017


Vinho de Talha 

der portugiesische "Amphoren-Wein"


Vila de Frades 
já não tem abades
mas tem adegas 
que são catedrais
                                                         Die Stadt der "Klosterbrüder"
                                                         hat längst keine Äbte mehr
                                                         aber ihre Weinkeller
                                                         sind wahre Kathedralen

Wie die ganze Gegend um Vidigueira herum ist auch das Städtchen Vila de Frades im unteren Alentejo schon seit Jahrhunderten berühmt für guten Wein. Vor allem die Weißweinsorten Antão Vaz, Arinto und Perrum gedeihen hier hervorragend.



Was Vila de Frades von den Nachbardörfern und -städtchen unterscheidet, sind seine Adegas (Weinkeller), die ihren Wein noch genau so keltern, wie man es schon in der Antike machte: in großen Tonkrügen, Amphoren. Der Geruch in so einer kleinen kühlen Adega mit 5 oder 9 Tonkrügen, den "talhas", ist fantastisch! Diese Tonkrüge sind oben 30 bis 40 cm weit offen und haben nicht die schlanke klassische Amphorenform, die von den Römern lieber für den Transport genommen wurde, da ihr schmaler Hals sich besser verschließen ließ. 



 
 

  



Die Talhas zur Weinherstellung haben hier eine bauchige Form, sie sind innen glasiert und 1,50 bis 1,80 m hoch. Es gibt auch noch größere Töpfe, die sind in gleicher Form, aber aus Beton gegossen und können 2 m und höher sein.
 


Die Trauben werden ganz gekeltert, mit ihren Schalen, die als Geschmacksgeber und Oxidationsschutz dienen und zum Schluß als Filter. Die Flüssigkeit mitsamt den Schalen muß täglich mindestens zwei Mal umgerührt werden, eine schwere Arbeit, für die der Weinbauer auf die Leiter (siehe die Fotos unten) steigen und mit dem langen Stecken die sich absetzende Masse aufrühren muß.


Am Martinstag wird der Tonkrug unten wie ein Bierfaß angezapft, und ein sehr bekömmlicher einfacher feiner Wein läuft in die Schale. 


Da die Leute von Vila de Frades keinen blassen Wein mögen, wird traditionell auf einem Weinberg mit weißen Trauben meist eine Reihe Rotwein dazugepflanzt, die Trauben werden gemeinsam geerntet und gekeltert. Das ergibt die leicht orange-goldene Farbe, von der der traditionelle Wein den Namen "pitrol" erhalten hat, eine Verballhornung vom Wort Petroleum, das lange Zeit das Lampenöl in den Häusern und Werkstätten war.



Heute gibt es auch reine Rotweine, die in Talhas gereift sind. In Vila de Frades zeigen kleine Kacheln die Türen oder Garagentore an, hinter denen sich eine der alten Keltereien versteckt. Von über hundert Adegas in den fünfziger Jahren sind immerhin noch 12 bis 15 in Funktion, meist für den Eigenbedarf.
Und der Vinho de Talha wird bekannter: Ein paar der jungen Winzer auf den neuen Gütern wie Herdade de Rocim verkaufen weißen und roten "Amphora" schon nach Deutschland (zum Beispiel bei Rosário & Prange Weinhandel, Köln) und auch die Cooperative von Vidigueira, Cuba und Alvito wird wieder Wein auf die dieser lokalen Tradition fördern.


Dem "Amphorenwein" Vinho de Talha gewidmet ist das Weinfest Vitifrades in Vila de Frades Anfang Dezember, dies Jahr vom 8.12.-10.12.2017. Sejam bemvindos!




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marmello-reisen bedankt sich herzlich bei dem Lokalhistoriker und Autor Desidério Lucas do Ô für die Erläuterungen.







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